Wir durchleben derzeit stürmische und unfriedliche Zeiten, die so gar nicht zur bevorstehenden Weihnachtsstimmung passen wollen. Dunkle Wolken am Horizont zeigen sich im nunmehr vierten Jahr des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine. Die politischen Wellen schlagen überall hoch, und autokratisches Denken spaltet zunehmend die Weltgemeinschaft. Das Gefühl der Unsicherheit betrifft in besonderer Weise auch die Seeleute, die ihre Arbeit weltweit in einem sich verändernden Umfeld, häufig fernab ihrer Heimat und ihrer Angehörigen, erledigen müssen. Da ist es besonders wichtig, ihnen „Inseln der Ruhe“ zu bieten, frei von Hass, gesellschaftlicher, religiöser oder ideologischer Spaltung. Die Seemannsmission (Paldiski Evangeelne Meremisjon) in der estnischen Hafenstadt Paldiski ist eine soziale Einrichtung, in der Seefahrer aller Länder, Kulturen, Ethnien und Religionen gleichermaßen willkommen sind. In diesem Jahr kann das ehrenamtliche Team der im Jahr 2000 gegründeten Meremisjon Paldiski unter der Leitung von Riina Kangro silbernes Jubiläum feiern – ein respektabler Erfolg in wechselvoller Zeit, der Mut macht!
Der von der Meremisjon betriebene International Seamen‘s Club Wulf Plesmann im Zentrum Paldiskis ist genau einer der Orte, an dem die Menschen, die als Seefahrer die gleichen Erfahrungen teilen, friedlich zusammenkommen, Hilfe erhalten und für einen Moment ihre Probleme und Sorgen vergessen können. Der Club bildet im wahrsten Sinne des Wortes das „Herz“stück für die Arbeit der Einrichtung. Die Immobilie wurde 2005 mit Hilfe und finanzieller Unterstützung aus Kreisen der nordelbischen Diakonie in Schleswig-Holstein und der Deutschen Evangelischen Seemannsmission e.V., seit 2017 Stiftung Seemannshilfe, erworben. In den Folgejahren erfolgte in Eigenarbeit die Umgestaltung der Räumlichkeiten zu einem gemütlichen Seemannsclub. Er wurde vor einigen Jahren und zuletzt im Jahr 2024 nochmals umfassend renoviert und mit einem neuen Eingangsbereich versehen. Neben dem großen Clubraum mit Bar, Billardtisch und TV gibt es ein Büro mit Internet-Zugang für die Gäste, ein Zimmer für Seeleute zum Übernachten und ein WC mit Waschgelegenheit.
Eine wichtige zweite Säule und Markenzeichen der Seemannsmission Paldiski ist ein blauer Multivan, mit dessen Hilfe Seeleute vom Frachthafen zum Seemannsclub oder anderen Zielen und zurück kostenlos transportiert werden können. Das für die Arbeit der Einrichtung unverzichtbare Fahrzeug bedeutet neben dem laufenden Betrieb des Clubs einen erheblichen jährlichen Kostenfaktor durch Wartung, Reparaturen und Spritkosten. Die Benzinpreise haben sich in Estland durch den Krieg gegen die Ukraine zuletzt nahezu verdoppelt. Das belastet die schmale Kasse zusätzlich. Denn gelegentlich sind auch weitere Fahrten in die Hauptstadt Tallinn vonnöten, wenn es beispielsweise um die Unterstützung einzelner Seefahrer bei bürokratischen Vorgängen oder der Beschaffung wichtiger Artikel oder Medikamente geht.
Das Engagement für die Seefahrer erfolgt durch Riinas Team ausschließlich ehrenamtlich. Die erforderlichen Maßnahmen werden von Freiwilligen durchgeführt oder, falls in Eigenregie nicht möglich, als Dienstleistungen in Auftrag gegeben. „Die tägliche Arbeit wird vom Vorstand koordiniert. Sie besteht u. a. darin, Schiffsbesuche im Frachthafen, Transporte von Seeleuten zum Club und notwendige Büroarbeiten zu organisieren. Während des Aufenthalts der Schiffe im Hafen kommunizieren wir zusätzlich seit einiger Zeit über ein soziales Netzwerk mit den Schiffsbesatzungen. Das Ziel der Schiffsbesuche ist es, die Seeleute, die während des Aufenthalts nicht an Land können, an Bord aufzumuntern und zu betreuen. Wir wollen auch in diesem Jahr wieder ein wenig Weihnachtsstimmung auf die Schiffe bringen“, berichtet Riina.
Für den Aufbau der Meremisjon Paldiski haben sich seit 2000 in besonderer Weise der Anfang des Jahres im Alter von 94 Jahren verstorbene Diakon und Stiftungsgründer Wilhelm Seehase sowie der 2012 verstorbene Kapitän zur See a.D. Wulf Plesmann engagiert. Er gab dem Seemannsclub seinen heutigen Namen. Ihr Vermächtnis und Lebenswerk will die Stiftung Seemannshilfe mit Sitz in Berlin über das silberne Jubiläum hinaus weiter in die Zukunft führen. Mit Ihren Spenden können Sie uns dabei helfen, dass der Leuchtturm christlicher Nächstenliebe in der estnischen Hafenstadt trotz stürmischer Zeiten weiter bestehen kann. Ihre Zuwendungen sind gut und nachhaltig angelegt. Dafür gilt Ihnen schon jetzt unser herzlicher Dank. Auch „kleine Münze“ ist eine große Hilfe. Selbstverständlich erhalten Sie von uns eine Spendenbescheinigung.







